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Interview der Nürnberger AZ mit dem Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler, der mit dem Wiederaufnahmeverfahren des Falles beschäftigt ist.
„Die Beweislage war viel zu dürftig“
Frankfurter Anwalt Michael Euler will den Fall „Peggy“ jetzt neu aufrollen.
AZ: 2004 wurde Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie wollen ein Wiederaufnahmeverfahren durchsetzen. Ist er unschuldig?
Michael Euler:
Mit den dürftigen Beweisen, die dem Landgericht Hof vorlagen, hätte er niemals verurteilt werden dürfen. Es reichte einfach nicht. Aber man wollte unbedingt einen Mörder präsentieren.
Vielleicht war es doch?
Es gibt genügend Zeugen, die Peggy noch zu einem Zeitpunkt gesehen haben, als sie längst tot gewesen sein müsste. Aber diese Zeugen wurden aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen als unglaubwürdig hingestellt. Andere wurden gar nicht erst vernommen.
Die rechtlichen Anforderungen, um ein rechtskräftig abgeschlossenes Strafverfahren dieser Größenordnung wieder in Gang zu setzen, sind sehr hoch. Schaffen Sie das?
Ich bin mir sicher, neue Tatsachen und Beweismittel vorlegen zu können, die einen Freispruch in den Bereich des Möglichen rücken. Das ist für ein Wiederaufnahmeverfahren auch notwendig.
Welche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Aussage von Peter H. zu, die Ihnen die AZ zur Verfügung gestellt hat?
Die Aussage von ihm, das Mordgeständnis von Ulvi erfunden und nur auf Druck der Polizei protokolliert zu haben, kann für sich allein schon ein Wiederaufnahmeverfahren zur Folge haben.
D u m m y - Ausgabe März 2011 - unabhängiges Gesellschaftsmagazin - Behinderte No. 30 berichtet über den „perfekten Mörder.“ (gekürzter Bericht)
Fabian Dietrich besuchte Ulvi Kulac in der forensischen Psychiatrie in Bayreuth; „er hat sich fein gemacht für den Besuch.“
Dietrich berichtet:
„Schon am Klang seiner Stimme, sie seltsam hohl und tief ist, merkt man aber, dass irgendetwas mit diesem Menschen nicht so ganz stimmt. Er spricht, als würde ein Tonband auf zu langsamer Geschwindigkeit abgespielt.
Tagsüber faltet er Kartons, wickelt Kabel auf Rollen und drückt vorgestanzte Puzzle aus. Mit dem Abwiegen von Büroklammern haben sie es in der Arbeitstherapie wohl auch schon mal ausprobiert, aber das war für Ulvi Kulac, der kaum lesen und schreiben kann, offenbar zu kompliziert.
Am 7.5.2001 verschwindet ein 9-jähriges Mädchen im Städtchen Lichtenberg, einem Ort am Fuße einer mittelalterlichen Burgruine in Oberfranken. Eine gigantische Suchaktion beginnt, an der in den folgenden Wochen Hunderte Polizisten beteiligt sind. Es heißt, das Mädchen sei in die Türkei entführt worden oder für Kinderpornos nach Tschechien.
Im Jahr nach dem Verschwinden des Mädchens gibt es zwar wilde Theorien, aber noch immer keine heiße Spur. Die Suche nach Peggy droht allmählich zur Blamage für die bayrische Polizei zu werden. Der damalige Innenminister Günther Beckstein tauscht den Soko-Leiter Herbert Manhart durch Kriminaldirektor Wolfgang Geier aus, einen Mann für aussichtslose Fälle.
Die Polizisten erfahren, dass Ulvi Kulac mehrfach Kinder sexuell belästigt haben soll. Bald konzentrieren sich die Ermittlungen auf ihn. Die Polizisten arbeiten auf das Einzige hin, das ihnen diesen Fall lösen kann, in dem es keine Zeugen und keine Spuren für ein Verbrechen gibt: Ein Geständnis muss her.
Wie oft Ulvi von der Polizei vernommen wird, ist unklar. Über 1000 Seiten Vernehmungsprotokolle sind in den Akten dokumentiert. Die Polizisten schreien den Beschuldigten offenbar an; dann umschmeicheln sie Ulvi wieder, sagen, dass ihm niemand etwas Böses tun will und ihm selbst, wenn er verurteilt würde, doch nichts passiert.
Am 30.4.2002 legt die Soko Peggy eine Strategie für die Vernehmung des Beschuldigten fest. Die Soko entwickelt eine Tathergangshypothese, die Monate vor seinem Geständnis schon beschreibt, wie und aus welchen Gründen ein geistig behinderter Mann womöglich einen Mord begangen hat.
Im Fall von Ulvi Kulac gibt es Hinweise, dass zumindest Elemente der sog. Reid-Technik im Spiel gewesen sind, einer besonders aggressiven Art des Befragens, bei der die Polizisten auch Lügen einsetzen, um den Druck zu steigern.
In den USA ist die Reid-Technik in den letzten Jahren in die Kritik geraten, weil sie überproportional viele Falschaussagen produziert hat. In Deutschland ist diese Methode in vielen Bundesländern nicht zugelassen, in Bayern wird sie geschult.
Am 7.2.2002 ist es so weit: Nachdem eine Weile über relativ Belangloses geredet wird, schalten die Polizisten urplötzlich um. Obwohl dies nach § 136a StPO klar verboten ist, konfrontieren sie Ulvi Kulac mit der Lüge, dass es eindeutige Beweise für seine Täterschaft gebe, weil Blut des Mädchens auf seiner Kleidung gefunden worden sei (die Polizisten werden später sagen, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt habe). Dem Druck hält Ulvi nicht lange stand; wie genau der Wortlaut seines Geständnisses ist, lässt sich nicht rekonstruieren.
War der geistig behinderte Mann wirklich in der Lage, in wenigen Minuten ein so perfektes Verbrechen zu begehen? Der Leiter der ersten Soko Herbert Manhart, der stets beteuert hatte, es mache keinen Sinn, sich an Ulvi Kulac festzubeißen, der geistesgestörte Junge sei „nicht einmal eine warme Spur“, spricht noch einmal mit der Presse. Er habe seine eigene Meinung, aber die sage er nicht mehr.
Spucke, Körperflüssigkeit und weiß der Deubel was für Zeug, die haben nichts gefunden von dem Mädchen“ sagt Herbert Heinel, der ehemalige Bürgermeister von Lichtenberg. Die Mehrheit der Bevölkerung in seinem Ort zweifelt bis heute daran, dass Ulvi, den sie wegen eines Geständnisses zu lebenslanger Haft verurteilt haben, der wahre Mörder ist.
Er, der so schwerfällig ist, soll ein flinkes Mädchen aus dem Turnverein eingeholt haben, das ausgerechnet dorthin flieht, wo kein Mensch es mehr sehen kann? Die Leiche soll sich spurlos aufgelöst haben? Der hätte auch das Attentat auf Kennedy gestanden, wenn es nötig gewesen wäre, sagen sie hier. Der war doch ein gutmütiger Deppl, wenn wir dem ein Bierle gegeben haben, hat der doch alles gemacht. In Lichtenberg können sie es nicht verstehen.
Wolfgang Geier, der ehemalige Soko-Leiter ist überzeugt, den Mörder überführt zu haben. „Ich kann mir vorstellen, dass man wegen der Leichenzersetzung nichts mehr finden wird. Wenn das Mädchen wirklich in der Gegend vergraben wurde, gibt es dort zum Beispiel viel Schwarzwild; Wildschweine können eine Leiche ausgraben und vollständig fressen.“
Michael Euler, dem neuen Anwalt aus Frankfurt, der die Wiederaufnahme des Falles erreichen soll, sei es kalt den Rücken herunter gelaufen, als er das erste Mal in die Akten geschaut und gemerkt hat, was da gemacht wurde.
Fabian Dietrich wandte sich mit einer Anfrage an die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken; ihm wurde mitgeteilt, dass es sich um ein abgeschlossenes Verfahren handele und keinerlei Verlautbarungen mehr abgegeben werden.
Herr Dietrich erlaubte sich daraufhin die nochmalige Anfrage:
„Warum man über abgeschlossene Fälle nicht mehr sprechen darf, verstehe ich nicht. Über vergangene Ermittlungen wird doch sonst von polizeilicher Seite recht gern mit Medien gesprochen, wenn es um Erfolgsgeschichten geht. Oder liegt das in diesem speziellen Fall daran, dass die Polizeiarbeit nicht optimal gelaufen ist.
Gibt es eine dienstliche Anordnung, dass sich niemand aus der oberfränkischen Polizei mehr äußern darf?
Bericht BILD-Nürnberg vom 8. November 2010 von Jörg Völkerling)
Jetzt spricht Peggys Mutter
Peggys Mutter Susanne K. (39) lebt heute an einem geheimen Ort; Sie wurde durch die ständigen Anfeindungen schwer krank.
Lichtenberg) Erstmals seit Jahren bricht sie ihr Schweigen. Susanne K. Mutter der seit 2001 vermissten Peggy. Sie hat Angst, dass Ulvi K. freigelassen werden könnte – der geistig zurückgebliebene Mann, der als Mörder ihrer bis heute nicht gefundenen Tochter verurteilt worden ist und bis heute in der Psychiatrie sitzt.
Hintergrund: Ein Ex-Mitinsasse hatte seine belastende Aussage kürzlich zurückgezogen. Er hatte zuvor ausgesagt, Ulvi K. habe ihm den Mord gestanden. Für Susanne K. ändert das nichts am Fall.Dieser Mann saß selbst in der Psychiatrie, wurde gezielt auf den Täter angesetzt. Doch seine Aussagen waren für das Urteil nicht entscheidend.
Die vergangenen Jahre waren für die Altenpflegerin der Horror. Schmerz und Wut haben sie schwer krank gemacht. Sie ist den Tränen nahe, als sie sagt: erst hieß es, ich hätte meine Tochter selbst entführt, dann, ich hätte Peggy für Kinderpornografie missbraucht. Dabei bin ich auch ein Opfer, ich habe meine Tochter verloren.
Sie ist weggezogen aus Oberfranken, lebt nun anonym unter geheimer Adresse. „Ich habe die Anfeindungen nicht mehr ausgehalten. Jeder Täter erhält in diesem Land mehr Solidarität als die Opfer. Der 7. Mai 2001 war ein Schlag mit dem Vorhammer, aber wie es mir geht, interessiert keine Sau! Die Bürgerinitiative pro Ulvi kämpft für die falsche Person. Ich kann nie damit abschließen.
Sie glaubt an die Schuld von Ulvi K. - und klammert sich dennoch an jeden Strohhalm, solange die Leiche ihrer Tochter nicht gefunden ist.„Für mich ist es im 9. Jahr von Peggys Verschwinden immer noch ein Hoffen und Bangen. Das wird so bleiben, solange ich sie nicht wieder habe.“ Halt findet die Tochter nur noch bei ihrer Tochter Jasmin (16). Ich habe immer Angst, dass ihr etwas passieren könnte.
Peggys Leiche ist bis heute nicht gefundenen Am 7. Mai 2001 gegen 13.15 Uhr wird Peggy zum letzten Mal auf dem Heimweg von der Schule im Oberfränkischen Lichtenberg gesehen. Gegen 13.15 Uhr läuft sie Ulvi in die Arme Der geistig behinderte Gastwirtssohn will sich angeblich bei ihr entschuldigen. Tage zuvor, so wird später bekannt, hat er sie missbraucht, Peggy flüchtete, der massige Mann setzt ihr hinterher. Sie stolpert, er erwürgt sie. Sein Vater hilft bei der Beseitigung der Leiche. Sie ist bis heute nicht gefunden worden. Ulvi K. gesteht nach seiner Festnahme den Missbrauch von mehreren Kindern. Die Soko weist ihm auch den Mord von Peggy nach. Am 30.4.2004 wird Ulvi K. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wie wär's einmal mit der Wahrheit Herr Völkerling! (Gegendarstellung zum Bericht der BILD-Nürnberg vom 8. 11. 2010)
Durch die ständigen Anfeindungen sei Susanne Knobloch schwer krank.
Sollte tatsächlich Frau Knobloch schwer krank sein, dann sicherlich nicht auf Grund der Anfeindungen, sondern es ist möglicherweise die Last ihrer Lügen während des Prozesses, die sie erdrückt.Durch ihre nachweisbaren Lügen konnte eine Verurteilung von Ulvi Kulac erst möglich werden.
Frau Knobloch hat Angst, dass Ulvi freigelassen wird.
Muss Frau Knobloch nicht eher Angst haben, dass ihre Tochter Jasmin die Wahrheit über ihre Mutter erfährt?
(Aussage eines im öffentlichen Leben stehenden Lichtenbergers)
Es war bekannt, dass sich Frau Knobloch nicht um ihr Kind kümmert. Sie ist zu anderen gegangen und hat gebettelt, weil sie Hunger hatte.Peggy wurde im Winter bei Eiseskälte auf dem Friedhof angetroffen und jeder konnte sehen, dass sie viel zu dünn angezogen war Frau Knobloch war nicht die treusorgende Mutter. Nach dem Verschwinden der Peggy hat sie getan, als wenn sie für Peggy gesorgt hätte. Das hat sie aber nicht getan, das wusste jeder.
Lt. Frau Knobloch wäre Peggy nie geschlagen worden. Tatsächlich hatten Freundinnen Striemen auf dem Rücken von Peggy gesehen..
Lt. Frau Knobloch sei Peggy immer gleich nach der Schule nach Hause gekommen. Tatsächlich wird sie oft noch am späten Nachmittag in Lichtenberg mit dem Ranzen gesehen oder hat ihn zu Freundinnen mitgenommen.
Peggy hatte ihrer Freundin gegenüber geäußert, sie wolle sich an dem Türken, ihren Stiefvater rächen. Im Prozeß benutzt Frau Knobloch diese Aussage, um Ulvi zu belasten. Den Zusatz „ihren Stiefvater“ lässt sie einfach weg!
Die Aussagen der Frau Knobloch vom Tag des „angeblichen sexuellen Missbrauchs“ der Peggy durch Ulvi sind nachweisbar allesamt gelogen.
Frau Knobloch ist weggezogen auf Grund der ständigen Anfeindungen.
Tatsächlich ist Frau Knobloch weggezogen aus Lichtenberg auf Grund immenser Mietschulden; sie kam mit dem Wegzug einer Zwangsräumung zuvor. Sicher waren viele Lichtenberger auf Grund des Verhaltens von Frau Knobloch weniger freundlich, was durchaus verständlich ist.
Ein Lichtenberger berichtet:
Die Kirche war voll beim Gottesdienst für Peggy nach ihrem Verschwinden. Alle wollten der Mutter ihr Mitgefühl dadurch aussprechen. Frau Knobloch aber hat zusammen mit den Medien den Spieß umgedreht und die Dorfbewohner der Mitwisserschaft beschuldigt. Die Leute fühlten sich verletzt. Sie haben Frau Knobloch ihr Mitgefühl ausgesprochen und wurden dann dafür bestraft.
In der BILD vom 17.2.04 erklärt Frau Knobloch, Peggy sei am Tag ihres Verschwindens früh noch einmal umgekehrt, um ihr etwas Wichtiges zu sagen: „Ich hab dich lieb Mami.“ Tatsächlich berichtet Frau Knobloch unmittelbar nach dem Verschwinden von Peggy aktenkundig, dass sie gehört hatte, dass Peggy noch einmal umgekehrt war, weil der Beutel mit den Spielsachen fehlte.
Gegen 13.15 Uhr läuft Ulvi Peggy in die Arme, will sich bei Peggy für einen Tage vorher begangenen Missbrauch entschuldigen, Peggy flüchtet, er setzt ihr hinterher und erwürgt sie
Genau diese Feststellungen sind widerlegt und Grund des Antrages auf ein Wiederaufnahmeverfahren.
Eine Tatrekonstruktion konnte nie den Beweis erbringen, dass ein Koloss wie Ulvi - behäbig und langsam lt. Gutachter - tatsächlich hinter dem Mädchen herlaufen und sie sogar noch überholen konnte. Es gibt nicht einen einzigen Zeugen, der Ulvi um 13.15 Uhr zusammen mit Peggy gesehen hat.
Auch ein sexueller Missbrauch der Peggy durch Ulvi konnte nie nachgewiesen werden. Lediglich der immer stärker werdende Druck auf Ulvi in den stundenlangen Vernehmungen ohne Rechtsbeistand mit der Drohung ins Gefängnis zu kommen, wenn er nicht zugebe, dass er was mit der Peggy gemacht hat, hatten ihn schließlich zu der Aussage gebracht, er habe Peggy vergewaltigt. Ulvi hat in Vernehmungen Beamten berichtet, dass er Angst vor Behrendt und Labandowsky hat; die haben ihn am Kragen gepackt. Dies hatte Ulvi auch in seinem Interview mit dem Kriminologen Dr. Müller bei SAT 1 berichtet.
Der damalige Ermittler Behrendt hatte selbst in einem Interview im Stern erklärt, er habe es bei Ulvi mit Härte versucht.
Der Vater hilft Ulvi beim Beseitigen der Leiche.
Diese Unterstellung ist eine infame Lüge! Mit Bescheid vom 7.3.2005 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Ulvis Vater eingestellt. Ulvis Vater wurden sogar Entschädigungsansprüche wegen der gegen ihn ergriffenen Strafverfolgungsmassnahme (vorläufige Festnahme) von der Staatsanwaltschaft angeboten.
Grund für die Einstellung des Verfahrens sind die Angaben des angeblichen Zeugen Florian Lang, die erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt entstehen lassen, was durch das Gutachten der Dipl. Psychologin Drexler-Meier vom 14.1.04 noch untermauert wurde.
Hintergrund: Ein Ex-Mitinsasse hatte seine belastende Aussage kürzlich zurückgezogen. Er hatte zuvor ausgesagt, Ulvi K. habe ihm den Mord gestanden. Für Susanne K. ändert das nichts am Fall. Dieser Mann saß selbst in der Psychiatrie, wurde gezielt auf den Täter angesetzt. Doch seine Aussagen waren für das Urteil nicht entscheidend.
Wer wird diese Worte der Frau Knobloch wohl in den Mund gelegt haben? Sehr wohl war der damalige Zeuge für das Urteil entscheidend und sein Widerruf ein Grund zu einem Wiederaufnahmeverfahren!
Die Soko weist ihm (Ulvi) auch den Mord nach.
Tatsächlich konnte die Soko genauso wenig Ulvi einen Mord nachweisen wie Frau Knobloch eine Beteiligung am Verschwinden ihrer Tochter.
Wie es mir (Frau Knobloch) geht, interessiert keine Sau!
Wenn sich Frau Knobloch beschwert, es kümmere sich keine Sau um sie, so liegt das einzig und allein an ihrem Verhalten. Lügen interessieren keinen mehr, jetzt ist einfach die Zeit der Wahrheit gekommen. Frau Knobloch und ihre Familie wurden von der Bürgerinitiative schon des öfteren zu Treffen eingeladen; das interessierte sie nie. Es haben sich neue Zeugen vorgestellt, die Peggy lebend gesehen hatten, als sie hätte schon lange tot sein müssen. Sie berichteten, wie man ihre Aussage untergraben hat. Selbst am Gedenkgottesdienst für Peggy im Jahr 2009 hatte sie kein Interesse. Zeugen zu hinterfragen und von der Staatsanwaltschaft zu fordern, die Suche nach Peggy aufzunehmen, das wäre das normale Verhalten einer Mutter gewesen. Bereits bei den Vernehmungen wurde von der Polizei festgestellt, dass das Verhalten der Frau Knobloch nicht „in normale Kategorien“ einzustufen sei.
Die Eltern von Ulvi waren immer von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt, haben ganz schlimme Zeiten erlebt, finanziell und gesundheitlich ruiniert, haben nie aufgegeben. Frau Kulac damals im MDR: „einmal kommt auch unsere Stunde, die Stunde der Wahrheit“. Diese Stunde ist nicht mehr weit!
Frau Knobloch glaubt an die Schuld von Ulvi
Frau Knobloch kann glauben was sie will. Die Verfahrensakten jedoch zeigen, dass es in Lichtenberg keinen Mord gegeben hat, sondern ein wehrloser und hilfloser Mensch – viele Male ohne Rechtsbeistand – zu einem Geständnis gebracht wurde.
Halt findet die Tochter nur noch bei ihrer Tochter Jasmin (16). Ich habe immer Angst, dass ihr etwas passieren könnte.
Sollte Frau Knobloch Erinnerungslücken haben, hier die Hilfestellung: ihre Tochter Jasmin ist 1997 geboren, also genau 13 Jahre alt!
28.10.2010 Nürnberger Abendzeitung
Mordfall Peggy: Zeuge hat Ulvis Geständnis erfunden
BAYREUTH/HOF
Das Urteil wurde vor sechs Jahren gesprochen und ist längst rechtskräftig. Doch der Mordfall Peggy beschäftigt weiter die Justiz. Am Mittwoch wurde ein Zeuge, der den verurteilten Gastwirtssohn Ulvi K. (32) im Prozess schwer belastet hatte, vom Ermittlungsrichter des Bayreuther Amtsgerichts zwei Stunden lang vernommen. Grund dafür: Der Mann hatte in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt, dass er von Polizeibeamten damals zu einer Falschaussage gedrängt worden sei (AZ berichtete).
Peter H. (52), mehrfach vorbestraft, war 2001 im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht. Dort befand sich aufgrund eines Gerichtsbeschlusses auch der geistig behinderte Ulvi K. aus Lichtenberg (Oberfranken), gegen den wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt wurde – und wegen des Verdachts, mit dem spurlosen Verschwinden von Peggy K. (9) etwas zu tun zu haben.
Gegenüber der Polizei gab Peter H. in dieser Zeit zu Protokoll, dass ihm Ulvi K. den Mord an dem Mädchen gestanden habe. Dies trug später zur Verurteilung des behinderten Gastwirtssohns bei. Vor wenigen Wochen erklärte Peter H. nun, dass er damals die belastenden Aussagen nur deshalb gemacht habe, weil er von Polizeibeamten mit falschen Versprechungen dazu gedrängt worden sei. Die Staatsanwaltschaft Hof leitete daraufhin Ermittlungen gegen die Polizei wegen des Verdachts der Aussage-Erpressung ein.
Nach Angaben seines Anwalts Thomas Dolmany hielt Peter H. den Vorwurf der Aussage-Erpressung in der richterlichen Vernehmung nicht aufrecht. Dolmany: „Mein Mandant hat allerdings bekräftigt, dass ihm der Gastwirtssohn den Mord nie gestanden hat.“ Die belastende Aussage, so Dolmany, habe Peter H. von sich aus gegenüber der Polizei gemacht, weil er sich dadurch Vorteile wie Hafterleichterung oder eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis versprochen habe.
Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler, der ein Wiederaufnahmeverfahren in der Mordsache Peggy vorbereitet, sagte gestern zur AZ: „Die Aussage von Herrn H. beim Ermittlungsrichter, das angebliche Geständnis von Ulvi frei erfunden zu haben, ist ein eindeutiger Grund, das Verfahren noch einmal aufzurollen.“ Helmut Reister
Nürnberger AZ 27.10.2010
Mordfall Peggy: Erpresste die Polizei eine falsche Aussage?
BAYREUTH/HOF
Ein Exklusiv-Bericht der Abendzeitung brachte den Stein ins Rollen – jetzt ist ein offizielles Ermittlungsverfahren daraus geworden. Die entscheidende Frage, die geklärt werden soll: Haben Polizeibeamte einen Belastungszeugen im Mordfall Peggy zu einer falschen Aussage erpresst?
2004 wurde der behinderte Gastwirtssohn Ulvi K. (32) vom Landgericht Hof zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Peter H. (52), der mit ihm in U-Haft saß, hatte damals ausgesagt, dass ihm Ulvi den Mord an dem neunjährigen Mädchen, dessen Leiche nie gefunden werden konnte, gestanden habe.
„Das ist falsch. Ulvi hat mir den Mord nie gestanden. Ich wurde von Polizeibeamten der Soko mit falschen Versprechungen zu dieser Aussage genötigt“, behauptet Peter H. in einer eidesstattlichen Versicherung, die der AZ vorliegt. Morgen soll er deswegen vom Ermittlungsrichter in Bayreuth vernommen werden.
Die Aussage ist von höchster Brisanz. Sollte Peter H. tatsächlich bei dieser Behauptung bleiben, muss der Mordfall Peggy möglicherweise noch einmal komplett neu aufgerollt werden. hr
Nürnberger AZ 28.9.2010
Verwirrung im Fall Peggy
Kann das klappen? Ausgerechnet die Hofer Kripo soll herausfinden, ob die Hofer Kripo im Mordfall Peggy mit unlauteren Mitteln gearbeitet hat. Vor gut einer Woche versetzte ein Exklusiv-Bericht der Abendzeitung die Ermittlungsbehörden in Oberfranken in helle Aufregung. Peter H. (52), ein Zeuge, der den später als Mörder verurteilten Gastwirtssohn Ulvi K. (32) im Prozess schwer belastet hatte, behauptete nämlich, dass er von der Polizei zu einer Falschaussage gedrängt worden sei. Dies hielt er auch in einer eidesstattlichen Erklärung fest, die der AZ vorliegt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sie Ermittlungen einleiten werde, um diesen Vorwürfen auf den Grund zu gehen.
Am Freitag sollte Peter H. nun von drei Beamten der Kripo Hof und einem Staatsanwalt vernommen werden. Heraus kam ein Fehlschlag. Peter H.: „Das ist zu viel von mir verlangt. Ich mache gegenüber der Hofer Kripo, die mich schon einmal so gerollt hat, mit Sicherheit keine Aussage. Ich stehe dem Gericht als Zeuge zur Verfügung, wenn es zu einem Wiederaufnahmeprozess kommt, aber nicht der Kripo aus Hof.“ Die Ermittler mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Kein Kommentar von der Staatsanwaltschaft
Der Chef der Staatsanwaltschaft Hof, Gerhard Schmitt, wollte am Montag zu der merkwürdigen Vorgehensweise keinen Kommentar abgeben. Erst war er telefonisch nicht erreichbar, dann ließ er ausrichten, dass er nur schriftliche Anfragen beantwortet, am Ende blieb er gänzlich stumm. Immerhin rang sich die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg zu einem kargen Statement durch. Der stellvertretenden Behördenleiter, Johannes Schmitt, wollte von einem möglichen Interessenskonflikt nichts wissen: „Wir haben die Führungsaufsicht und sorgen dafür, dass alles rechtlich korrekt abläuft.“
Ganz wohl scheint es den Behörden dann doch nicht gewesen zu sein. Wie Peter H. der AZ berichtete, erschienen gestern erneut Polizeibeamte, um ihn zu vernehmen. Diesmal habe es sich um Bayreuther Kripobeamte gehandelt. Doch auch sie mussten wieder mit leeren Händen abziehen. Peter H.: „Was zu sagen war, habe ich in der Öffentlichkeit schon gesagt. Und ohne meinen Anwalt sage ich schon gleich gar nichts.“
Peter H. leidet an einem unheilbaren Gehirntumor und will reinen Tisch machen. „Ich habe im Prozess behauptet, dass mir Ulvi den Mord an Peggy gestanden hat. Doch das stimmt nicht. Ich habe es nur gesagt, weil mir die Polizei eine milde Strafe in meiner eigenen Strafsache versprochen hat.“ Helmut Reister
Nürnberger AZ 20.9.2010
Fall Peggy immer mysteriöser - Frau behauptet: Ich sah das Mordopfer in München
“Es war das vermisste Mädchen.” Zeugin gab ihre Beobachtung bei der örtlichen Polizei zu Protokoll; die Soko interessierte sich nicht für ihre Aussage
Wie schlampig hat die Polizei im Mordfall Peggy gearbeitet?
Diese Frage erhält fast 10 Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens (9) aus Lichtenberg (Oberfranken) von Tag zu Tag mehr Gewicht. Jetzt kommt heraus, dass wichtige Zeugen von der Polizei offenbar gar nicht vernommen wurden. „Es ist fast nicht zu glauben, wie fehlerhaft ermittelt wurde“, sagt der Frankfurter Anwalt Michael Euler.
Anna (65 Name geändert) aus einem Münchner Vorort wird bei seinem Vorhaben eine wichtige Rolle spielen. Die inzwischen in Rente lebende Frau ist sich ganz sicher, dass die kleine Peggy in Begleitung eines etwa 35 Jahre alten Mannes in ihrem Stoffladen stand – zu einem Zeitpunkt, an dem das Mädchen laut Polizei und Justiz längst tot gewesen sein müsste.
Anwalt Euler, der sich monatelang durch den Ermittlungsakten-Berg gearbeitet hat, ist sogar noch auf ähnliche Vorgänge gestoßen. „Wie im einzelnen mit Zeugen umgegangen wurde, ist mir nicht nachvollziehbar. Die Polizei hat praktisch nur Aussagen gelten lassen, die in ihr Konzept gepasst haben. Und das Konzept war, Ulvi als Mörder zu überführen.“
Ulvi K. ein geistig behinderter Gastwirtssohn, war 2004 vom Landgericht Hof in einem fragwürdigen Indizienprozess wegen Mordes an Peggy verurteilt worden, obwohl deren Leiche nie gefunden wurde. Euler hält den rechtskräftig verurteilten Behinderten für unschuldig und betreibt ein Wiederaufnahmeverfahren.
Anna K. lässt sich durch nichts davon abbringen, dass es Peggy war, die sie gesehen hat. Die Begegnung hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Einer AZ-Mitarbeiterin schilderte sie minutiös ihr Erlebnis von damals. Es war der Samstag nach dem Verschwinden des Mädchens am 7. Mai 2001.
„ Es war eine ganz merkwürdige Situation. Ein Mann kam in den Laden und wollte ein bestimmtes Tuch kaufen. Er hielt ein Mädchen ganz fest an der Hand. Ich war völlig perplex. Es war Peggy, deren Fotos im Fernsehen gezeigt wurden. Ich war mir ganz sicher“, erinnert sich Anna K.
Die Frau versuchte, die beiden hinzuhalten und mit dem Mädchen ins Gespräch zu kommen.
Anna K.: „Der Mann war sehr bemüht, dass mir das Kind nicht antwortet. Dabei hatte ich den Eindruck, dass mir das Mädchen etwas sagen wollte.“
Der Verkäuferin fiel außerdem auf, dass der Begleiter des Mädchens sehr unruhig und nervös war – und ständig zur Tür blickte. Schließlich zog er die Kleine weg und eilte aus dem Laden, ohne noch etwas zu sagen. Anna K.: „Es ging so schnell, dass ich mir die Autonummer nicht merken konnte. Es war aber kein Kennzeichen aus meiner Gegend.“
Anna K., der die Begegnung keine Ruhe ließ, ging zur Münchner Polizei und gab ihre Aussage zu Protokoll. Danach hörte sie nie wieder etwas. „Ich wurde nie als Zeuge vernommen.“
Karin Heindl
Nürnberger AZ 17. September 2010
Wende im Fall Peggy - Kronzeuge packt aus
Sensationelle Wende im Mordfall Peggy! Ein wichtiger Zeuge, der wesentlich dazu beitrug, dass der geistig behinderte Gastwirtssohn Ulvi K. (30) zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. In einer eidesstattlichen Versicherung, die der AZ vorliegt, behauptet er, von Beamten der Soko mit falschen Versprechungen zu einer folgenschweren Falschaussage gedrängt worden zu sein. Muss jetzt der ganze Fall komplett neu aufgerollt werden?
Peter H. (52), ein vor Kraft strotzender Zimmermann aus Hof, sitzt seit Sommer 2001 im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Sein notorischer Hang zu Einbrüchen und Diebstählen, Drogen, Alkohol und die Diagnose eines Gehirntumors haben ihn für so lange Zeit dorthin gebracht.
Die mit der unheilvollen Mixtur verbundenen Psychoprobleme sind inzwischen so weit abgeklungen, dass Peter H. die Nachmittage in Freiheit verbringen darf und seine endgültige Entlassung ins Auge gefasst wird. Das ändert nichts daran, dass der Tumor unaufhaltsam wächst. Peter H. entwickelt bei der Schilderung seines Zustandes trotz allem geradezu stoische Gelassenheit: „Irgendwann ist es vorbei. Aber bis dahin will ich noch ein bisschen was von meinem Leben haben.“
Vor allen Dingen aber will Peter H. reinen Tisch machen. Den Anfang dazu hat er vor zwei Wochen gemacht, als er seinen ganzen Mut zusammennahm und in der Cafeteria eines Supermarktes einem Ehepaar gegenüber trat. Es waren die Eltern von Ulvi K.! Sie bat er um Verzeihung. Bei der Polizei und im Prozess hatte Peter H. nämlich ausgesagt, dass Ulvi ihm den Mord gestanden habe. Der Gastwirtssohn war damals zusammen mit ihm in der gleichen Station des Bezirkskrankenhauses untergebracht.
Haben die Soko-Beamten mit unlauteren Mitteln gearbeitet?
Doch jetzt offenbart Peter H.: „Herr K. hat mir gegenüber nie ein derartiges Geständnis abgelegt (…). Er hat mir den Mord nie gestanden.“ Ein Hammer! Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler, der seit geraumer Zeit mit der Vorbereitung eines Wiederaufnahmeverfahrens beschäftigt ist, ist geradezu elektrisiert: „Die Verurteilung von Ulvi stützte sich auf drei Säulen: sein unter fragwürdigen Umständen zustande gekommenes und widerrufenes Geständnis, ein diskutierbares Glaubwürdigkeitsgutachten – und die Aussage von Herrn H. Diese Säule ist jetzt weggebrochen.“ Für den Anwalt ist die Schlussfolgerung klar: „Das Verfahren muss wieder aufgenommen werden. Polizei und Justiz haben zu viele Fehler gemacht.“
Rückblende: Seit Mai 2001 ist die neunjährige Peggy Knobloch aus Lichtenberg (Oberfranken) spurlos verschwunden. Gut ein Jahr später präsentierte die Polizei den geistig zurückgebliebenen Ulvi K. als Mörder des Mädchens, dessen Leiche bis heute nicht gefunden wurde. Nach einem endlosen Marathon-Verhör hatte der minderbemittelte Mann (IQ 67) die Tat gestanden – und kurz darauf widerrufen. Obwohl es keinerlei Tatortspuren oder gar direkte Augenzeugen gibt, wurde Ulvi K. vom Landgericht Hof wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Entscheidung stieß angesichts der dürftigen Beweislage bundesweit auf Kritik.
Eine Initiative, der sich mehr als 1000 Bürger aus Lichtenberg und der Region anschlossen, kämpft seit Jahren um eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Die Verantwortlichen an der Spitze der Initiative behaupten, dass Ulvis Geständnis von Soko-Beamten mit unlauteren Mitteln herbeigeführt wurde. In diese Kerbe schlägt jetzt auch Peter H.. In seiner Erklärung heißt es unter anderem: „Die Soko-Mitarbeiter stellten mir immer wieder Hafterleichterungen, ein mildes Urteil in meiner Strafsache und eine schnelle Haftentlassung in Aussicht, wenn ich bereit wäre, zu bestätigen, dass Herr K. mir die Tötung von Peggy Knobloch gestanden hätte (...). Dabei wurden mir von den Beamten Behauptungen und Formulierungen in den Mund gelegt, die ich so nicht gemacht habe.“
Am Ende der Erklärung schreibt Peter H.: „Herr K., an dessen Verurteilung wegen Mordes ich durch meine Falschaussage beigetragen habe, tut mir leid. Mir gegenüber hat er den Mord an Peggy Knobloch nicht gestanden.“ Helmut Reister
Am 7. Mai 2001 verschwand Peggy!
Im Gedenken an das Verschwinden von Peggy vor 9 Jahren hatte die Bürgerinitiative zu einem Treffen eingeladen. Den Anwesenden, darunter Schulfreundinnen von Peggy, konnte an Hand von klaren Fakten dargelegt werden, wie eine Verurteilung von Ulvi möglich wurde; tatsächlich hat ein Mord am 7. Mai 2001 in Lichtenberg nie stattgefunden. Peggys Vater mit Familie hatten der Zusammenkunft einen besonderen Rahmen gegeben; Peggys Stiefbruder hatte eigens für Peggy ein Lied selbst gedichtet und vorgetragen.
Lied für Peggy
von Peggys Bruder Nico
Peggy meine Schwester, wo bist du nur? Ich bin dein Bruder und ruf nach dir, ohne dich ist mein Leben leer, ich liebe dich meine Schwester! Ich heiße Nico und suche nach dir, dein Vater vermisst dich so sehr, er liebt dich und sucht nach dir, viele Freunde von dir trauern mit uns, wir lieben dich und suchen nach dir, eins will ich noch sagen hier und jetzt, wir lieben dich und finden dich !!!
Die Hoffnung stirbt zuletzt!
Jetzt will ich noch ein paar Worte sagen.
Wir vermissen alle Peggy, doch eins werden wir nie verlieren, die Hoffnung Peggy wieder zu finden. Aber eigentlich ist sie gar nicht so weit weg, denn sie ist für immer in unserem Herzen und auch ihre blauen Augen und ihr Lächeln werden wir nie vergessen.
Ausgabe über den Fall Ulvi einen gewaltigen Sprung nach vorne!
(Quotennews Redakteur Manuel Weis)
Bislang habe man von der neuen SAT 1 Krimi-Doku „Urteil Mord“ nicht von einem Hit sprechen können. Die zweite Folge habe ebenfalls nur siebeneinhalb Prozent Marktanteil in der Zielgruppe geholt. Noch in der zurückliegenden Woche sei man eher nicht mehr davon ausgegangen, dass sich die Stampfwerk-Produktion noch zu einem Erfolg entwickelt.
Ausgabe drei machte aber einen gewaltigen Sprung nach vorne.
Das Format der gezeigten Ausgabe mit Ulvi Kulac und dem Rätsel um die verschwundene Peggy lag mit 10,9 Prozent Marktanteil erstmals oberhalb des Senderschnitts!
Resonanz in der Öffentlichkeit
Die Resonanz des Filmbeitrages Urteil Mord – Mord ohne Leiche - am 21.3.2010 in SAT 1 über den Fall Ulvi war überwältigend; Tausende hatten innerhalb weniger Tage die Website von Ulvi besucht, wohlwollende Einträge wurden ins Gästebuch geschrieben!
Überwältigend waren die rührenden Anrufe voller Anteilnahme bei Ulvis Eltern von Bürgern aus allen Regionen unseres Landes sowie dem Ausland alle mit dem gleichen Inhalt: das Urteil gegen Ulvi ist eine riesengroße Schweinerei!
Menschen waren sofort zu einer Spende für die Eltern von Ulvi bereit!
Selbst Juristen meldeten sich zu Wort mit der Bemerkung: „mit dem Urteil da stinkt etwas gewaltig!“
Ein Opfer-Anwalt bot seine Mitarbeit an; für ihn ist Ulvi ein Opfer!
Bürger der hiesigen Region befanden dies ebenso verbunden mit der Frage, warum Medien vor Ort wie Frankenpost, Radio Euroherz oder Oberfranken TV nicht darüber berichten, sondern sich in Stillschweigen hüllen??
BILD verweist in ihrer heutigen Ausgabe auf die Sendung in SAT 1 am Sonntag um 22.15 Uhr
“Peggys Mörder jammert im TV“
Tatsächlich „jammert“ Ulvi nicht, sondern ihm wird erstmals seit seiner Unterbringung die Möglichkeit gegeben, in der Öffentlichkeit über die tatsächlichen Vorgänge zu berichten.
„Peggys Mutter Susanne K. macht das wütend“.
Das ist sehr verständlich; hat sie wohl Angst, dass nunmehr die Wahrheit -nämlich ihre Lügen - ans Tageslicht kommen?
Peggys Mutter hat durch ihre Falschaussagen im Prozess (allesamt aktenkundig und durch Zeugen belegt!) bewusst in Kauf genommen bzw. in der Absicht falsch ausgesagt, dass Ulvi als Mörder ihrer Tochter verurteilt werden konnte.
Ein Ermittlungsverfahren bezüglich dieser aktenkundigen Falschaussagen gegen Frau K. wurde zwar eingestellt, jedoch erging der Hinweis von Staatsanwalt Zuber Hof im Beschluss vom 9.6.2008, dass dies für ein etwaiges Wiederaufnahmeverfahren relevant sei.
In SAT 1 wurde eine 6-teilige TV-Serie gestartet mit dem Titel Urteil Mord - auf Spurensuche hinter Gittern.
Im Rahmen dieser Sendungen berichtet SAT 1 am 21.März 2010 um 22.15 Uhr
über den Fall Ulvi K.; der weltweit bekannte Kriminalpsychologe Dr. Thomas Müller aus Österreich analysiert den angeblichen Mord an der 9-jährigen Peggy, deren Leiche man nie fand.
Ein Fernsehteam der Hamburger Stampfwerk GmbH hatte zusammen mit Dr. Thomas Müller am 13.11.2008 den angeblichen Tathergang in Lichtenberg noch einmal rekonstruiert; Lichtenberger Zeugen finden sich in dem Film wieder.
Als Betreuerin von Ulvi war ich bei den Dreharbeiten sowie bei dem am nächsten Tag stattgefundenen Interview von Dr. Müller mit Ulvi im Bezirkskrankenhaus Bayreuth zugegen.
Erstmals seit seiner Unterbringung in der Psychiatrie 2001 kommt Ulvi selbst zu Wort und der Zuschauer kann sich ein Urteil über Ulvi bilden.
Ulvi (32) kann auf Grund seiner geistigen Behinderung wenig zum Gelingen des Interviews beitragen. Er weiß zwar, wie lange er sich bereits in der Psychiatrie befindet, wann er in die Schule gekommen ist, weiß er jedoch nicht; „das ist schon lange her“.
Von Dr. Müller nach dem Grund seiner Unterbringung in der Psychiatrie gefragt, erklärt Ulvi, dass er sich vor Kindern entblößt habe; die Kinder hätten ihn gehänselt, gelacht und seien weggelaufen. Peggy habe er nie belästigt. Er habe sich bestimmte Sachen ausgedacht, weil man sie von ihm hören wollte: Die Kripo habe ihn fix und fertig gemacht und ihn angegriffen, was weh getan hatte. Er nennt auch die Namen der beiden Ermittler.
Weiter erklärt Ulvi Herrn Dr. Müller, er wäre im Bezirkskrankenhaus, weil er die Peggy umgebracht haben soll, was aber nicht stimmt. Sein größter Wunsch sei, dass Peggy lebend wieder auftaucht.
Resümee:
Für Dr. Müller ist es schwer nachvollziehbar, dass sich tatsächlich an diesem 7.Mai 2001 in Lichtenberg ein Mord ereignet haben soll; ein Mord ohne Leiche, ein geistig behinderter junger Mann und jede Menge ungeklärte Fragen!!
Gudrun Rödel
Der dicke Hund des Monats
Gut, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gibt. Dann wäre Ulvi K. aus Lichtenberg vielleicht nicht mehr am Leben. Er wurde in Hof wegen Mordes an der damals neunjährigen Peggy Knobloch (Foto) verurteilt. Zwar hatte der geistig behinderte junge Mann die Tat gestanden, später aber widerrufen. Die kleine Peggy ist seit Mai 2001 wie vom Erdboden verschwunden. Ihre Leiche wurde innerhalb dieser achteinhalb Jahre nicht gefunden. Gibt es überhaupt eine Leiche? Oder kann es sein, dass Peggy noch lebt, heute als sicherlich hübsches 17-jähriges Mädchen? Bei den damaligen polizeilichen Ermittlungen gab es Pannen über Pannen, Schlampereien über Schlampereien. Von einem ungeheuerlichen Polizeiskandal spricht gar der 50-jährige Bestseller-Autor Friedrich Ani. In einem AZ-Interview begründet er dies mit den eigenartigen Ermittlungsmethoden der Polizei. Man habe den Mann (Ulvi), der geistig auf dem Stand eines zehnjährigen Kindes ist, weichgeklopft, bis er dann irgendwann ein Geständnis abgelegt hat, das diesen Namen nicht ernsthaft verdient. Allein die Umstände, unter denen es zustande gekommen sei, sprächen Bände. Ulvi habe Dutzende von Vernehmungen über sich ergehen lassen müssen, ohne dass sich auch nur ansatzweise belastbare Erkenntnisse für einen Mordverdacht ergeben hätten. Sein Geständnis soll er abgegeben haben, nachdem sein Anwalt gerade gegangen war. Und ausgerechnet in diesem Moment sei das Tonband kaputtgegangen. So viel Stoff, dass Autor Friedrich Ani einen Krimi darüber schrieb: „Totsein verjährt nicht“. Ani fordert nach seiner Einsicht in die Ermittlungsakten eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Dass dies nicht schon längst geschehen ist, wie es auch eine Bürgerinitiative fordert, ist für uns der Dicke Hund des Monats.
von extra Medien Marketing Hof 29.10.09
Nürnberger AZ Bericht vom 24.10.2009
Vermisste Peggy wird zur Romanfigur
Am 9. Mai 2001 verschwand die kleine Peggy Knobloch spurlos aus ihrem Heimatort Lichtenberg in Oberfranken. Obwohl ihre Leiche nie gefunden werden konnte und es keine konkreten Hinweise auf ein Verbrechen gibt, wurde ein geistig behinderter Dorfbewohner Ulvi K. in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Grundlage der Entscheidung, die von vielen als Skandal angesehen wird, bildete ein fragwürdiges Geständnis des Mannes.
Die Zweifel an der Täterschaft des Behinderten, der sich geistig auf dem Stand eines zehnjährigen Kindes befindet, schlagen sich in einer Bürgerinitiative nieder, die seit Jahren ein Wiederaufnahmeverfahren anstrebt. Auch Erfolgsautor Friedrich Ani, der den Berg an Ermittlungsakten einsehen konnte, spricht unverblühmt von einem Polizei-Skandal.
Er beschäftigt sich in seinem neuesten Roman “Totsein verjährt nicht” mit dem spektakulären Fall, der großen Niederschlag in den Medien fand. Auch ist Ani persönlich davon überzeugt, dass der verurteilte Gastwirtssohn den Mord niemals begangen hat. Die Sonderkommission der Polizei, so sein Vorwurf, habe sich eine Fülle von nachweisbaren Ermittlungsfehlern geleistet.
Gekürztes Interview von Chefreporter der Nürnberger Abendzeitung,Helmut Reister, mit dem Autor des Romans „Totsein verjährt nicht“ Friedrich Ani in der Ausgabe vom 24.10.2009
“ Ein ungeheurer Polizeiskandal!”
Der Bestseller-Autor Friedrich Ani (50) über seinen neuen Roman, der Frankens spektakulärsten Mordfall um die kleine Peggy Knobloch zum Vorbild hat - und warum er das Verfahren gegen den Täter für nicht rechtsstaatlich hält
Friedrich Ani zählt zu den profiliertesten Kriminalschriftstellern Deutschlands. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In seinem neuesten Roman “Totsein verjährt nicht” beschäftigt er sich mit dem Schicksal von Peggy Knobloch aus Lichtenberg (Oberfranken), die im Frühjahr 2001 spurlos verschwand. Ani, der auch eine Reihe von Jugendbüchern und Lyrikbänden veröffentlicht hat, ist auch als Drehbuchautor für Fernsehspiele und wie “Tatort” “Stahlnetz”, “Rosa Roth” oder “Ein Fall für zwei” in Erscheinung getreten. Er wurde unter anderem auch bereits mit dem begehrten deutschen Krimipreis ausgezeichnet. AZ sprach mit ihm über sein neuestes Buch:
AZ: Auch wenn in Ihrem Buch die handelnden Personen andere Namen tragen und der Schauplatz nach München verlegt wurde: Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Ihr neues Buch dreht sich um das spurlose Verschwinden der kleinen Peggy aus Lichtenberg. Auf dem Titelblatt steht eindeutig “Roman”. Ist es aber letztendlich nicht doch eher eine Art Dokumentation geworden?
Friedrich Ani: Ich habe nur den realen Fall als Vorlage für den Roman genommen. Das Buch ist Fiktion, das will ich schon festhalten.
Gut, dann nähern wir uns der Angelegenheit mal von einer anderen Seite. Wie gut kennen Sie den realen Kriminalfall?
Ich kann jetzt nicht hergehen und ruhigen Gewissens behaupten, dass ich die Wirklichkeit kenne. Also das, was damals in dem Ort tatsächlich gelaufen ist. Aber ich kenne eine Menge Akten, auch Sachen, die nie in dem Verfahren öffentlich gemacht wurden. Ich habe unzählige Menschen gesprochen, vor Ort intensiv recherchiert ...
... und sind schließlich zu welchem Ergebnis gekommen?
Dass es sich auf jeden Fall um einen ungeheuren Polizeiskandal handelt!
Sie meinen damit wohl die Verurteilung des geistig behinderten Gastwirtssohn Ulvi als Peggys Mörder?
Das ist das Ergebnis höchst eigenartiger Ermittlungsmethoden. Man hat den Mann, der geistig auf dem Stand eines 10-jährigen Kindes ist, weich geklopft, bis er dann irgendwann ein Geständnis abgelegt hat, das diesen Namen nicht ernsthaft verdient. Allein die Umstände, unter denen es zustande gekommen ist, spricht Bände.
Welche Umstände meinen Sie?
Ulvi hat Dutzende von Vernehmungen über sich ergehen müssen, ohne dass sich dabei auch nur ansatzweise belastbare Erkenntnisse für einen Mordverdacht ergeben hätten. Und dann, nach einem weiteren endlosen Dauerverhör soll er gerade ein Geständnis abgelegt haben, als die Vernehmung bereits abgeschlossen und sein Anwalt gegangen war. Und ausgerechnet dann soll auch noch das Tonband kaputt gegangen sein, so dass auch keine diesbezügliche Aufnahme vorliegt. Das ist ein bischen viel auf einmal.
Sie gehen also davon aus, dass Ulvi nicht der Mörder der verschwundenen Peggy Knobloch ist?
Ich gehe in erster Linie davon aus, dass er unter den gegebenen Umständen niemals als Mörder hätte verurteilt werden können. Mit Rechtsstaatlichkeit hatte das Verfahren nichts mehr zu tun. Da wurde von der Polizei offensichtlich ein Mörder gesucht, um einen Erfolg vorweisen zu können - Mit allen Mitteln!
Ist denn überhaupt ein Mord in Lichtenberg passiert? In Ihrem Buch wird eine mögliche Lösung angeboten.
Ich hoffe, dass es zu einem Wiederaufnahmeverfahren kommt und Ulvi eine echte Chance bekommt. Was mit Peggy vor gut 8 Jahren tatsächlich passiert ist, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ist sie verschleppt worden und lebt noch. Vielleicht ist sie aber auch tatsächlich das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Ich weiß es nicht. Aber ich wage zu behaupten, dass es in Lichtenberg etliche Menschen gibt, die über die damaligen Geschehnisse mehr wissen, als sie zugeben wollen.
Zum Beispiel Ulvis Vater? Die Polizei ließ einmal verlauten, dass er es gewesen sein könnte, der seinem Sohn bei der Beseitigung der spurlos verschwundenen Leiche geholfen hat.
Das ist ein weiteres Detail des Ermittlungs - Skandals. Es gibt dafür nicht einmal ansatzweise den geringsten Hinweis. Die Behauptung ist ein Konstrukt der Behörden.
Der Fall Peggy scheint Sie auch persönlich tief zu berühren. Ist das der richtige Eindruck?
“Ja”.
Rundfunk BR 2 7.10.2009
berichtet im „Heimatspiegel“ über Literatur aus, von und Der Fall Peggy scheint sie auch persönlich ganz tief zu berühren. Ist das der richtige Eindruck?über Franken. In der Sendung wird schwerer Lesestoff im Roman „Totsein verjährt nicht“ von Friedrich Ani vorgestellt; zumindest dürfte es für einige Menschen in Lichtenberg keine einfache Lektüre sein. Es geht um einen Kriminalroman, der auf einer wahren Geschichte beruht.
Am 7.5.01 ist in Lichtenberg im Landkreis Hof die 9- jährige Peggy Knobloch spurlos verschwunden. 3 Jahre später verurteilt das Landgericht Hof den damals 27- jährigen geistig zurück gebliebenen Ulvi Kulac wegen Mordes zu lebenslanger Haft.
Das Ganze war aber ein zweifelhafter Prozess ohne Leiche und ohne DNA-Spuren.
Der bekannte Münchner Kriminalautor Friedrich Ani hat aus dem Fall Peggy einen Fall für seinen Münchner Ermittler Polonius Fischer gemacht. Er sagt, er will damit menschliche und gesellschaftliche Abgründe aufzeigen. Ob ihm das aber gelingt? Tanja Oppelt hat das Buch gelesen und mit dem Autor gesprochen.
„Der Fall spielt in München und nicht in Lichtenberg und das verschwundene Mädchen heisst Scarlett und nicht Peggy.
Ansonsten hat sich Friedrich Ani an das gehalten, was ihm die Realität vorgegeben hat. Ein geistig zurück gebliebener junger Mann ist für einen Mord verurteilt worden, von dem keiner mit Sicherheit sagen kann, ob er tatsächlich stattgefunden hat!
6 Jahre nach Scarletts Verschwinden bekommt der Münchner Kommissar Polonius Fischer einen Brief von einem ehemaligen Mitschüler des Mädchens, der sie auf dem Marienplatz gesehen haben will – lebend!
„Sie glauben mir, das weiß ich und Sie werden jetzt, wenn Sie lesen, was ich erlebt habe, handeln und sich von Ihren Kollegen und Vorgesetzten nicht einschüchtern lassen. Ich habe Scarlett Peters erkannt“.
Polonius Fischer nimmt die Ermittlungen wieder auf, heimlich und anfangs nur um sich abzulenken. Seine Lebensgefährtin – eine Taxifahrerin – ist bei einem brutalen Überfall zusammengeschlagen worden und liegt im Koma.
Der Kommissar trifft auf immer mehr Ungereimtheiten und Widersprüche im Fall Scarlett, zweifelt an der Arbeit und Integrität seiner Kollegen.
Der Autor Friedrich Ani hat lange recherchiert im Fall Peggy Knobloch. Durch Kontakte hatte er Zugang zu Polizeiakten, die die Öffentlichkeit nicht kennt.
„ Im Fall Peggy war es so, dass bestimmte Aussagen oder Ermittlungsergebnisse einfach nicht stimmen konnten und im nach hinein hat sich herausgestellt, dass einfach offensichtlich Fehler gemacht wurden oder – wie es mir scheint – absichtlich, aus welchen Gründen auch immer, falsche Dinge als Fakten angenommen wurden.
Dieser Fall ist in meinen Augen einer der größten Polizeiskandale in der bundesrepublikanischen Kriminalgeschichte!“
„Totsein verjährt nicht“ ist kein klassischer Krimi, in dem es darum geht, nach einer Tat stringent einen Täter zu überführen. Friedrich Ani zeigt statt dessen menschliche und gesellschaftliche Abgründe.
Polonius Fischer, der ehemalige Mönch, wandert verschlossen, fast autistisch und unglaublich zornig durch das Buch, immer kurz vor der Explosion. Die Verhörmethoden seiner Kollegen schockieren ihn:
eine 11-stündige Vernehmung ohne Pausen durchzuführen ist nicht ungesetzlich, dachte Fischer, aber es ist unmenschlich!
einen geistig Behinderten 24- Jährigen 11 Stunden lang ohne Pausen zu vernehmen ist nicht unmenschlich, dachte Fischer, aber es ist eine Schande für die Polizei!
einen behinderten Mann mit dem Geisteszustand eines 10-Jährigen 11 Stunden lang ohnePausen und ohne Rechtsbeistand zu vernehmen, dachte Fischer, das grenzt an Folter!
Auch im realen Fall Peggy Knobloch hat der verurteilte Mörder Ulvi Kulac der Polizei tätliche Angriffe vorgeworfen. Die Ermittlungen verliefen im Sande.
Den Schriftsteller Friedrich Ani lässt der Fall nicht mehr los.
„Da wird der Verdächtige einfach mürbe gemacht, dieses Mürbemachen ist ein Teil der Taktik und insofern muss man auch darüber schreiben, weil es ständig passiert.Es ist ein Buch, das davon erzählt, wie wichtig es ist, sich nicht immer auf das Scheinbare zu verlassen, auch wenn es von der Polizei als wahr und als einzig wahr hingestellt wird.“
Die fiktive Lösung des Falls in „Totsein verjährt nicht“ ist verstörend, noch verstörender ist allerdings, dass im realen Fall Peggy diese Fragen, die im Roman letztendlich beantwortet werden, weiter offen bleiben!
Friedrich Ani will sich zusammen mit einer Bürgerinitiative für eine Wiederaufnahme des Falles einsetzen.
Empfehlung für den Leser, aber auch Hörer (Hörbuch)
Totsein verjährt nicht
von Friedrich Ani,
der als bester deutscher Kriminalautor mit einer brillanten Schreibkunst bezeichnet wird; dieses Buch sei anspruchsvoll und
teilweise schmerzhaft!
Sein Roman basiert auf dem realen Fall, dem Verschwinden von Peggy 2001!
„Dort heißt das Mädchen Scarlett und es fehlt seit 6 Jahren von ihm jede Spur. Jonathan, geistig zurückgeblieben, wurde wegen
Mordes an dem Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl es keine Leiche gab und der junge Mann später sein Geständnis
widerrufen hat. Bis zum höchsten bundesdeutschen Gericht wurde das Urteil bestätigt.“
Polonius Fischer, der ehemalige Kommissar, greift diesen Fall wieder auf, „ermittelt gegen den Willen seiner Vorgesetzten und entdeckt
die schwersten Ermittlungsfehler und Vertuschungen.“
Friedrich Ani mutet den Lesern nichts anderes zu, „als die ungeschönte, grausame und sinnlose Wirklichkeit. Es gibt Textpassagen,
bei deren Lesen man über die Kälte der Menschen, die dort beschrieben wird, verzweifeln und laut aufschreien könnte. Doch gibt es auch
immer wieder wunderbare Stellen, Lieder der Hoffnung sozusagen, doch sie werden nicht zu Ende gesungen.“
(Auszüge aus der Rezension von Winfried Stanzick aus Ober-Ramstadt in Hessen)
Lichtenberger gedenken einer Tragödie
Unter dieser Überschrift berichtete die „Frankenpost“ über den 7. Mai 09, an dem in Lichtenberg ein Gedenkgottesdienst für Peggy stattfand.
Vor 8 Jahren - am 7. Mai 2001 - verschwand Peggy Knobloch und bis heute fehlt jede Spur von ihr!
Im Anschluss an den Gedenkgottesdienst erinnerte die Bürgerinitiative „Gerechtigkeit für Ulvi“ im Rahmen einer Mahnwache an Ulvi, der unschuldig durch das Hofer Landgericht wegen Mordes an Peggy verurteilt wurde Zusammen mit seiner Familie und Freunden hatte der leibliche Vater von Peggy durch Plakate
„Bitte sucht nach mir!“ „Peggy – immer noch vermisst“
gefordert, die Suche nach Peggy wieder aufzunehmen. Die einzige, die fehlte, war Peggys Mutter!
Die Anwesenden einer sehr gut besuchten Gesprächsrunde konnten erleben, wie dem Bayreuther Anwalt Ortwin Lowack die Zornesröte ins Gesicht gestiegen war bei seinen Ausführungen, wie man Ulvi zu einem Geständnis gebracht hatte; nämlich nach stundenlangen Vernehmungen ohne seinen Rechtsanwalt – das Protokoll umfasst 543 Seiten – unter dem Vorhalt, man habe Blut von Peggy an seiner Kleidung gefunden, was tatsächlich nie gefunden worden war. Anwesend waren auch ehemalige Klassenkameraden von Peggy, die sich genau erinnern konnten, dass Peggy nicht gern nach Hause ging, sie Angst vor ihrem Stiefvater hatte und wie sie ihnen blaue Flecken auf dem Rücken gezeigt hatte.
Auch hatte ein Prozessbeobachter berichtet, dass seiner Meinung nach bereits vor Prozessbeginn Ulvi als Täter feststand.
TV SAT I berichtete ebenfalls vom Verschwinden der Peggy Knobloch vor 8 Jahren und der zweifelhaften Verurteilung von Ulvi.
Frau Ina Jung, die an einer Dokumentation über den Fall Peggy arbeitet, erklärte: „es ist ein großes Wort zu sagen, es ist ein Justizskandal. Aber nachdem es Aktenmaterial gibt, nachdem ich mit so vielen Menschen gesprochen habe, die wirklich sehr involviert waren in diese Geschichte und ich so viele Hintergründe erfahren habe, muss ich sagen:
“ ja, das ist ein Justizskandal!“
Frau Jung hatte bereits mit nachstehendem Beitrag in der Münchner AZ aufmerksam gemacht, dass vor 8 Jahren Peggy verschwand.
„Zum Jahrestag: Gottesdienst und Mahnwache für ein vermisstes Kind
Das verschwundene Mädchen
Am 7. Mai 2001 kommt Peggy aus Lichtenberg nicht von der Schule nach Hause. Die Polizei findet keine Leiche – aber einen Mörder. Der Vater des Opfers hält den Mann bis heute für unschuldig
Heute vor 8 Jahren verschwand ein kleines Mädchen spurlos im oberfränkischen Lichtenberg, einem Ort nahe der tschechischen Grenze. Hübsch, stahlblaue Augen, blonde Haare, neun Jahre alt; Peggy Knobloch. Seit 2005 sucht dieses Mädchen niemand mehr. Für das Gericht ist der Fall erledigt. Es gibt einen rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder, Ulvi K. (32).
Auch Peggys Mutter hat mit dem Verlust abgeschlossen. Sie ließ einen aufwändigen Grabstein in einem anderen Ort errichten, in dem sie vorübergehend lebte und aus dem sie bald wieder verschwand. Als Todestag ist auf dem Stein das Datum eingemeißelt, an dem Peggy verschwand: “7. Mai 2001”.
Peggys leiblicher Vater Mario Schwenk glaubt nicht , dass Ulvi K. seine Tochter ermordet hat. Er hält den Gastwirtssohn für unschuldig. Heute wird Schwenk mit einem selbst entworfenen Plakat auf das ungeklärte Schicksal seiner Tochter aufmerksam machen: „Peggy – seit 2001 immer noch vermisst! Sucht weiter nach mir!“
Ein großer grauer Stein, sonst nichts; Das Kindergrab ist leer!
In Schwenks Augen ist der geistig behinderte junge Mann der Sündenbock, den Polizei und Justiz brauchten, um die Akte endgültig schließen zu können. Gudrun Rödel, Ulvis vom Amtsgericht bestimmte Betreuerin und Anwaltssekretärin, sagt dazu: „Was die Einsicht in die Prozessakten tatsächlich an den Tag brachte, überstieg meine Vorstellungskraft. Der Akteninhalt zeigt eindeutig, dass an diesem 7. Mai 2001 nie ein Mord an Peggy stattgefunden hat und Ulvi für etwas büßen muss, was er nicht getan hat”.
Auch der Bayreuther Rechtsanwalt Ortwin Lowack, der sich des Falls angenommen hat, erklärt: „Mosaikartig konnten viele Versäumnisse der Ermittlungsbehörden zwischenzeitlich zusammengetragen werden.“ Er setzt auf ein Wiederaufnahmeverfahren, hat eine lange Liste von offenen Fragen und hofft, „dass der Verurteilte eine Chance zu einem Freispruch erhält“.
Tatsache ist: Es gibt keine Leiche. Es gibt nicht einmal Indizien für einen Mord. Es gibt nur das Geständnis eines geistig zurückgebliebenen 24-Jährigen. Es wurde nach Akteneinsicht belegbar unter psychischem Druck erzwungen. Der Vernehmungsmarathon – das Protokoll umfasst 543 Seiten fand ohne Rechtsbeistand statt. Zwei Tage später widerrief Ulvi K.
Der Bundesgerichtshof lehnt 2005 die Revision ab
Der junge Mann aus Lichtenberg, der als Kind an Gehirnhautentzündung erkrankte, ist auch unter Polizeibeamten bekannt als argloser, freundlicher Mitbürger, der allerdings zum Exhibitionismus neigt. Doch obwohl die Staatsanwaltschaft ihn wegen mehrerer Fälle von sexuellen Missbrauch anklagte, wurde Ulvi K. aus Mangel an Beweisen von fast allen Vorwürfen freigesprochen. Einen Missbrauch aber hatte er angeblich begangen – den an Peggy Knobloch.
Diese Tat nämlich soll das Motiv gewesen sein für den Mord an der 9-Jährigen. Sie wollte Ulvi verraten, so die Ermittler
Beides – Motiv und Mord – schloss die erste Sonderkommission der Kripo unter Hauptkommissar Herbert Manhart aus. In einem Pressebericht der Soko I hieß es, es gebe keinerlei Zeugen oder Sachbeweise für einen sexuellen Kontakt zwischen Peggy und Ulvi. Und dass Ulvi etwas mit dem Verschwinden von Peggy zu tun habe, könne ebenfalls nicht bewiesen werden.
Ein Jahr später wechselte der damalige Innenminister Günther Beckstein – ein Novum in der bayerischen Justizgeschichte – die Ermittlergruppe aus. Kriminaldirektor Wolfgang Geier übernahm die Soko 2. Indizien oder Zeugen für einen sexuellen Missbrauch an Peggy oder gar Beweise für einen Mord fand auch er nicht. Dennoch präsentierten die Fahnder nach wenigen Monaten einen Tatverdächtigen, der – wie Geier selbst anmerkte – auf dem geistigen Niveau eines „Erstklässlers“ stehen geblieben sei. Ausgerechnet er sollte den perfekten Mord begangen haben. Einen Mord ohne Leiche, ohne Zeugen, ohne Spuren.
Das Mord-Urteil vom 30.4.2004 stand von Anfang an auf wackeligen Beinen. Trotzdem lehnte der Bundesgerichtshof (BGH) 2005 eine Revision ab. Rechtsanwalt Lowack vermutet, „dass man das Urteil, das in sich widersprüchlich ist, gar nicht gelesen haben kann“.
Unzählige Fragen sind daher bis zum heutigen Tag geblieben:
Warum wurden ausgerechnet solche Zeugen für glaubwürdig erklärt, die Ulvi nach Jahren erstmalig belasteten, Entlastungszeugen der ersten Stunde aber gar nicht erst vorgeladen?
Eine Zeugin hatte Peggy noch nach dem angeblichen Mord (gegen 13.15 Uhr), nämlich um 13.25 Uhr, aus dem fahrenden Bus heraus gesehen. Warum wurde ihre Aussage um 10 Minuten vorverlegt? Demnach hätte der Bus auf einer Fahrstrecke, für die er immer dieselbe Zeit benötigte, plötzlich 10 Minuten eingespart. Die Tachoscheibe des Busses belegte die Aussage der Zeugin.
Zeugen wollen die Neunjährige später noch gesehen haben
Warum behaupten Ermittler, Zeugen, die Peggy gesehen haben wollen hätten sie mit einer anderen Schülerin verwechsel? Der Vater dieses Mädchens hat mehrfach betont, seine Tochter sei an diesem Tag gar nicht in Lichtenberg gewesen.
Vor allem aber fragt sich Ortwin Lowack: Wie konnte es dazu kommen, dass der geistig behinderte Ulvi K., der nur sehr schwer komplizierten Fragen folgen kann, nach 543 Seiten Verhörprotokolls in Abwesenheit seines Verteidigers, nur deshalb zu einem Geständnis gebracht werden konnte, weil ihm der vernehmende Beamte vorhielt, an seiner Kleidung sei Blut festgestellt worden, wobei dieser Vorhalt schlichtweg falsch war?“
Ebenfalls merkwürdig: Bis zum Abend des 7. Mai 2001 wollen Zeugen die Neunjährige noch in Lichtenberg gesehen haben. Auch am Tag darauf soll Peggy an der Hand einer südländisch aussehenden Frau über eine Wiese nahe ihrer Wohnung zur Hauptstraße gelaufen sein. Fußspuren und nieder getretenes Gras wurden polizeilich bestätigt.
Peggy lebte mit ihrer Mutter, dem türkischen Stiefvater und der 5 Jahre jüngeren Halbschwester in Lichtenberg. Theorien, was wirklich geschehen sein könnte, kursieren viele: Entführung durch den Stiefvater, Verkauf in die Kinderprostitution. Spuren dahingehend wurden auch von der Polizei verfolgt. Die Ermittlungen gestalteten sich, wie in den Akten nachzulesen ist, mühsam.
Sicher ist, dass Peggy Angst vor ihrem Stiefvater hatte. Dass dieser sich – laut Zeugenaussagen – an ihr vergriffen haben muss. Peggy war ein Mädchen, das nicht gern nach Hause kam und immer wieder bettelte, von anderen Familien aufgenommen zu werden. Daheim, behauptete Peggy, werde sie sowieso nicht vermisst. Alles drehe sich nur um die Kleine.
Peggys leiblicher Vater kämpfte vergeblich um das Sorgerecht. Begründung der Jugendämter: „Wenn keine blauen Flecken festzustellen sind, ist das Kind bei der Mutter gut aufgehoben.“6 Jahre bemühte sich Mario Schwenk um Kontakte zu seiner Tochter Jetzt hat er Sorge, dass Peggy verschwand, weil er sie besuchen wollte.
Bleibt die zentrale Frage: Warum musste in diesem Vermisstenfall unbedingt ein Mörder gefunden werden? War der Druck der Öffentlichkeit und der Politik zu groß? Was geschah wirklich mit Peggy Knobloch?
Mit einem Gedenkgottesdienst und einer Mahnwache möchte man in Lichtenberg heute ein Zeichen setzen und die „Verantwortlichen in Politik und Justiz dazu veranlassen, dringend notwendige Konsequenzen zu ziehen“, wie Ulvis Betreuerin Gudrun Rödel sagt.
Im Oktober wird ein Nachbar wegen Missbrauchs verurteilt
Im Oktober 2008 erschütterte erneut eine Nachricht den Ort Lichtenberg. Ein 61-Jähriger hatte zwischen 1999 und 2003 seine Stiefenkelin und seine Patentochter sexuell missbraucht. Das Patenkind war so alt wie Peggy, ging zeitweise sogar mit ihr in die Klasse. Der Mann wohnte schräg gegenüber von Peggys Familie. Leichenspürhunde fanden in seinem Haus Kleidungsstücke mit DNA-Spuren, die angeblich nicht zuzuordnen waren. Kurze Zeit später fand der Prozess statt. Das Urteil wurde am Ende des dritten Verhandlungstages gefällt, der Täter zu 3 Jahren Haft verurteilt. Als der Name Peggy fiel, kamen ihm die Tränen!“
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